Das Eisenerzdistriktfeld "Bracht"
26. März 2006
Wir möchten hier die Geschichte des Eisenerzdistriktfeldes “Bracht” darstellen und erzaehlen wie sich die einzelnen Gruben die nachher zum Distriktfeld gehörten, entwickelt haben.
Über die Bracht ziehen sich mehrere Eisenerzlager die dem Schichtenverlauf des Lennegebirges folgen.
Die mächtigsten Eisenerzlager hat die Hermannszeche abgebaut.
Die Lager waren an der Oberfläche zugänglich und sind dort bereits früh entdeckt und abgebaut worden. Zahlreichen Tagebauten und Pingen zeugen vom altem Bergbau. Belegt ist der alte Bergbau erstmalig um 1392: So steht in der Markenrolle:
vorth warden daerjenige iserensteine gefunden, die derde theil ist des Graven von der Marke und die zwey drittel der erven”. [2]
Auf Hochdeutsch heisst das, 1/3 der gefundenen Eisensteine werden an den Grafen abgeführt, 2/3 gehört den Markgenossen.
Nächste Quelle kommt aus dem 16.Jahrhundert. Damals lag in den Bergen zwischen Affeln und Allendorf (Westfalen) und Plettenberg die Grenze zwischen den Einflussgebieten des Erzbischofs von Köln (Herzogtum Westfalen) und der Grafschaft Mark (Amt Schwarzenberg). [1]
Für die Affelner war dies Markenland , Wald in den sie Ihre Schweine zur Mast eintreiben durften und dem sie Feuerholz sammeln durften und Affelner Bauern gruben hier nach Eisenerz.
Um 1521 kam es zum Streit, da die Grafen von der Mark/Kleve den 10.Anteil aus den Erzgruben beanspruchten. Die Affelner wiesen darauf hin, dass Sie selbst bei Bergwerken im Affelner Markenland auch immer den Herr von Plettenberg um Belehnung ersucht hatten, aber nicht daran dachten den 10.Teil abzuliefern.[1]
1547 läßt der Amtmann von Balve die Gruben “up dem Soinckhausen” zuwerfen und die Gerätschaften wegnehmen.[1]
1555 wird darüber verhandelt. Es waren in der vorausgegangenen Jahren immer wieder zu Übergriffen gekommen. Eine Partei zerstörte der anderen Partei die Haspelanlagen, die andere setzte Arbeiter der anderen Partei fest usw. Die Kurkölnische Seite (Westfalen) behauptet das Bergwerk sei ursprünglich durch Leute aus Affeln und Allendorf abgebaut worden und dem Amtsmann in Balve sei der “Zehntstein” entrichtet worden. Erst im Jahre 1540 habe sich der Amtsmann auf Burg Schwarzenberg für Mark-Kleve “die Nutzung angemaßt”. Die Gegenseite Mark-Kleve behauptet jedoch, das Bergwerk laege voellig im Amt Schwarzenberg und 1526 wäre die Anmaßung, den Bergzehnt einzutreiben berichtigt worden. [1]
1560 wird eine “Bleyerkui in der Bracht” und die Soinkhauser Grube “vorn in der Bracht” erwähnt. [1]
Ein Bericht von 1636 (fro) führt auf, dass das Bergwerk auf der Bracht stillliegt. Die Schmelzhütte in der Blemke aber in Betrieb sei. [3]
1688 erwähnt Jakob am Ende in seinem Bericht, dass der Eisenstein auf der Plettenbracht vor etwa 80 Jahren ohne Zusätze nicht hätte verarbeitet werden können. Der Eisenstein “soll fret und nit vom besten sein” und ohne Zusatz nicht zu verarbeiten sein. Weiter heisst es “in der Ysern Groven up der Bracht” sind in dieser Zeit einmal 2 Leute “verschmoekt und umbgekommen”. [3]
Am Brandige Kopf finden wir den nördlichen Lagerzug Dies ist der Bereich wo die Eisenzeche abbaute. Auf der östlichen Vorsetzung des Lagers baute die Hermannszeche ab.
Auf dem südlichen Parallellager baute am Brandige Kopp die Rudolphzeche und nach Osten die Adolfzeche ab.
Sicher wird im 18.JH das Erz im Tage- und Schachtweitungsbau auf den örtlichen Vorkommen bis zum Grundwasser abgebaut worden sein, wann der erste Stollen vorgetrieben wurde ist nicht bekannt.
Die neue Gesellschaft Hermannszeche baut bis 1820 durch den sogenannten Ochsenstollen 3.600 to Eisenerz ab. Der Ochsenstollen war laut Befahrungsbericht von 1827 400 m durchs Gebirge getrieben worden. Einstieg erfolgte durch einen Wetterschacht, Ausfahren durch den Stollen.
1828 wurde der Bau eines neuen Stollen genehmigt und 1836 wird der Bau des Carlsstollen begonnen. Von dem Stollen werden Querschläge ans Lager herangetrieben. Die Ausbeute wird auf 10.549 to Roherz gesteigert.
Von 1825-1847 werden die Erze zur Julianenhütte nach Amecke gefahren. Das Bergwerk kommt in den Besitz des Hüttenbetreibers Freiherr von Wrede.
1827 waren 10 Bergleute auf der Grube Hermannszeche beschäftigt. .
1839 werden die umliegenden Felder konsolidiert: Im Osten: Julianne,Alte Eiche, Morgenröte . Im Westen: Carl, Josef, Abendrot und Juliane sowie Gertrud, Friedrich, Adolphszeche und Rudolfszeche.
1841 wird in einem der Querschläge des Carlstollen ein neues 1 m mächtiges Lager angefahren.
1842 verfügt die Grube über eine Wäscherei mit 2 Setzsieben. Die Teiche sind noch im Gelände zu erkennen. 1843 sind 21 Mann auf der Grube beschäftigt. Wegen des Fehlen eines Steigers wird der Grubenbetrieb zeitweilig nur mit 3 Mann betrieben dann aber wieder mit 12 Mann fortgesetzt.
1849 wird das “Eisenerzdistrikfeld Bracht” verliehen. Sämtlicher Eisenstein der im Distriktfeld vorkommt steht der Gewerkschaft zu.
Gruben in Allendorf:
Hermannszeche
Eisenzeche
Rudolphzeche
Adolphzeche
Gruben in Hagen:
Stahlberg
Juliane zu Hagen
Gruben zu Langenholthausen
Schellenberg
Bergschlade
Grube in Balve:
Glueckauf
Außerdem werden Schürfversuche an den Vorkommen Aarbusch, Kamberg, Neue Weikmecke Jupiter und Wasferkohlschlade vorgenommen.
Die Gewerken des Eisenerzdistrikfeldes Bracht sind:
August Schulte zu Siegen, Gottfried Hahn zu Burg, Johannes Utsch zu Gosenbach, Ludwig Patt zu Eisern, Wilhelm Ziervogel zu Hellstädt.
1852 wird ein neuer Stollen geplant. Der Paulstollen. 1853 wird mit dem Bau begonnen. Der Paulstollen soll 20 m Mehrteufe einbringen. Er wird diagonal an das Lager herangetrieben und erreicht es nach 520 m. Das Erzlager war immer noch in einer Mächtigkeit von 5-6 m anzutreffen und selbst Gesenke führten zu ebenfalls gleich guten Aufschlüssen. Leider mussten die Arbeiten in der Hermannszeche wegen Wasserproblemen und der schlechten wirtschaftlichen Lage eingestellt werden.
Um 1900 wird ein neuer Stollen angesetzt. Der Engelbertstollen. 34 m unter dem Niveau des Paulstollen, um die Wasser zu lösen Der Stollenvortrieb wird jedoch eingestellt, da der Gebirgsdruck und die Kosten des Stollenausbaues zu gross sind. So ruht also der Betrieb 20 Jahre.
1919 wir eine Probe gemacht: 34,4 % Eisenerz, 3,2 % Mangan 21,5 % Kieselsäure.
1920 erhält die Grube einen Elektroanschluss und es ist ein Tiefbauschacht 30 m tief abgeteuft worden. Bis 1926 wird gefördert. Das Trafogebäude von 1920 mit Renovierungsbauten von 1934 ist noch teilweise erhalten. Es steht oberhalb des eingefallenen Maschinenschachtes.
1930 ist die Gewerkschaft Sauerland Besitzer der Abbaurechte. Sie baut vor allem in der Grube David (Warstein) 1932 wird die Gewerkschaft Sauerland zwangsversteigert und so kommt die Berechtsame der Eisendistriktfelder Bracht, Wildewiese und Sauerland an die Gewerkschaft Christiansglück II. Diese nimmt die Arbeit auf der Grube David mit 16 Mann auf und lässt bei der Hermannszeche den Paulstollen aufwältigen. Ziel ist allerdings die untertägige Maschinenkammer um die dortige Maschine abzubauen. Im Herbst 1932 ist das Vorhaben erreicht. Der Paulstollen wird verschlossen und die Wetterschächte abgedeckt.
1934 werden jedoch wieder Aufschlussarbeiten in der Hermannszeche durchgeführt. 1935 wird der Carlstollen befahren und anstatt verbrochen in gutem Zustand angetroffen. Mittels Spezial-Förderwagen soll direkt im Carlstollen gefördert werden. Es wird ein neuer Tiefer Stollen beschlossen Alte Wetterschächte werden wieder aufgezogen . Die Erzanalyse ergibt einen Eisengehalt von 44-45 %. Dieses Erz ist nach Ansicht der Gewerkschaft NICHT verkäuflich. Damit gibt die Gewerkschaft die Grube Hermannszeche auf.
Jedoch stößt die Reichsstelle für Bodenforschung des Deutschen Reiches bei seiner Suche nach deutschen Rohstoffvorkommen auf die Lagerzüge der Hermannszeche.
Der Bericht von Bergrat Dr. Stahl beschreibt die Lagerstätte, als Erze einer Oxidationszone, oben primäre Toneisensteine, in der Tiefe jedoch Schwefelkiese. Diese guten Aussichten, eine Schwefelkieslagerstätte aufzuschließen gestatten Tiefenbohrungen auf der Bracht. Ersteinmal wird jedoch 1935 ein Arbeitsplan aufgestellt und der Paulstollen aufgewältigt. Bald darauf werden die Arbeiten jedoch eingestellt, weil in der Forellenzucht Löhr erheblicher Schaden durch verunreinigtes Wasser entstanden ist auch der Engelbertstollen kann wegen des starken Gebirgsdruckes nicht fortgeführt werden, die stärksten Verstrebungen gehen zu Bruch. 1936 werden 100 to für Analysezwecke gefördert. 1939 werden westlich auf dem Brandige Kopf 5 Craelius -Bohrungen durchgeführt. Es werden 4 Bohrungen niedergebracht. In der Bohrung I wird in 130 m und 193 m Tiefe ein Kalkzug angetroffen und in der Bohrung II in 40-50 m Tiefe Spateisenstein mit Schwefelkies. Die weiteren Bohrungen werden dazwischen niedergebracht dabei wird Kalkspat mit Schwefelkies und Grauwacke mit eingesprengtem Schwefelkies nachgewiesen. Die Durchschnitts-Probe enthält 35,35 % Eisen und 12,27 % Kieselsäure.
Die Gewinnung wird hier als aussichtsreich eingestuft. Die Hohen Kosten der Wiederaufwältigung und Aufschließung durch Verlängerung der vorhandenen Stollen, Engelbertstollen und Blemkestollen (Galmeigrube Theodore) die mit 300.000 Reichsmark je Stollenvortrieb veranschlagt werden, lassen das Vorhaben scheitern. In einem Bericht von 1941 von Paeckelmann heißt es, „das die Alten bereits die besten Teile der Lagerstätte abgebaut haben“.
Südlich des “Brandige Kopp” gibt es 3 weitere Lager parallel. Diese sind stellenweise aber nicht derartig bauwürdig und wohl nur von den “Alten” im Tagebau teilweise gewonnen worden, da es auch hier Pingenzüge gibt.
Anfang des 19.JH wird es jedoch einen Stollenversuch gegeben haben. Auf den mittleren Lager dieser Gruppe ist ein Stollen aufgefahren worden, der sogenannte “Franzosenstollen“.


